Vereinshistorie

In der Zeit um 1920, wo größte wirtschaftliche Schwierigkeiten in unserer Heimat herrschten, schlossen sich einige sportbegeisterte junge Männer aus Neuhütten und Umbebung mit wenig Geld, dafür aber um so mehr Idealismus zusammen, um dem Fußballsport in Neuhütten Eingang zu schaffen.

Dies war damals kein geringes Wagnis, denn Fußball war wie gesagt nur in größeren Städten eingeführt, während auf dem Lande und insbesondere in den kleinen Dörfern des Mainhardter Waldes dieser neue Sport von den älteren Mitbürgern noch als reine Zeitverschwendung und neumodische Unsitte angesehen wurde, die die jungen Leute von der nutzbringenden Arbeit abhielt.

Ungeachtet solcher Schwierigkeiten gelang es diesen Männern zwischen 18 und 23 Jahren, auf einem provisorischem Sportplatz beim Werrensee einen nahezu regelmäßigen Spielbetrieb aufzunehmen. Unter großen Anstrengungen abends nach der Arbeit in der Zigarrenfabrik und unter Einsatz von Rollkarren war es gelungen, das Gelände in einigermaßen sportgerechten Zustand zu bringen. Zwischen zwei selbstgebastelten Stangentoren wurden die Spiele unter Gleichgesinnten aus Neuhütten und der näheren Umgebung ausgefochten.

Als "Kommandozentrale" diente nun mehr die Friseurstube von Kurt Wieland, der ebenfalls ein großer Fußballfanatiker war. Hier war der ideale Ort, das Fußballgeschehen zu leiten. Beim Friseur traf man sich zur Mannschaftsaufstellung, bei ihm wurden die Spiele kommentiert und die Spieler ausgesucht. Dies war im Frühjahr 1929. Man beschloss nun, offiziell einen Verein zu gründen. Der Eifer und die Lauterkeit der jungen Akteure hatte inzwischen die Meinung der Bürgerschaft günstig beeinflusst, und so konnte man es wagen, die Schultheißen, die Lehrer und sonstige "Honoratioren" der Gemeinde Neuhütten, Maienfels und Finsterrot zur Gründungsversammlung im Herbst 1929 einzuladen.

Erschienen waren im Saal der "Sonne" etwa 40 Personen. Zum ersten Vorstand des Vereins wurde Schultheiß Häfele, Neuhütten gewählt. Kassier wurde Kaufmann Rudolf Wieland, Unterkassier der Aktive Christian Wieland.

Als Vereinsname wurde die Bezeichnung "Verein für Bewegungsspiele Neuhütten und Umgebung" festgelegt.

1931 wurde der Verein vor ein großes Problem gestellt. Das seitherige Sportplatzgelände am Werrensee wechselte den Besitzer, eine Nutzung als Sportplatz war danach nicht mehr möglich. Mit viel Idealismus und Arbeitseinsatz gelang es, den zweiten Sportplatz hinter dem Gasthaus "Sonne-Post" herzurichten, um auch weiterhin dem geliebten Leder nachjagen zu können.

Mit beginn des dritten Reiches wurde dem aufstrebenden Verein ein jähes Ende gesetzt. Der Aufforderung, der SA beizutreten, leisteten die Sportler keine Folge. So löste man den Verein behördlicherseits kurzerhand auf. Damit war der Fußballsport in Neuhütten bis zum Ende des Krieges lahmgelegt.

1945, nach Ende des Krieges, kehrte auch die Freude am Fußballspielen in der Gemeinde wieder ein.

Im Juni 1946 wurde dann die Gründungsversammlung in die "Sonne" einberufen, die von zahlreichen Interessenten besucht war und die ein Sammlungsergebnis von über 1000,- Reichsmark einbrachte.

Nach positiv verlaufenden Verhandlungen mit der Gemmingen´schen Verwaltung wurde unter großen Mühen der Sportplatz "Auf der Ebene" von freiwilligen Helfern des VfB Neuhütten und Umgebung angelegt. In der damaligen schlechten Zeit hatten noch nicht alle jungen Männer wieder Arbeit gefunden. Um diese arbeitslose Zeit zu nutzen, arbeiteten sie kräftig mit bei der Rodung und Einebnung des Sportplatzgeländes mit. Als Gegenleistung erhielten sie von denen, die bereits wieder ins Geschäft gingen, etwas finanzielle Unterstützung. Im September 1946 fand dann die Einweihung mit dem ersten Spiel auf dem neuen Platz statt, bei dem auch bald die ersten Umkleideräume erstellt wurden. Da mit der Zeit immer mehr gute Fußballer aus der Gefangenschaft zurückkehrten, konnte der VfB bald wieder eine recht starke Mannschaft aufweisen.

In dieser Blütenzeit wurde die Mannschaft zu einem gefürchteten und geschätzten Gegner in der Bezirksklasse. Doch mangels Nachwuchses folgten einige magere Jahre, die die Mannschaft zu einem Neuaufbau zwang.

Erst als Kurt Wieland aus der Schweiz zurückkehrte, gelang es ihm, wieder ein starkes Team zu schaffen, das 1957 auch den Aufstieg in die B-Klasse schaffte.

Einen wichtigen Platz im Terminplan des Vereins nahmen immer mehr die jährlich abgehaltenen Jugendpfingstturniere ein. 1951 für die Vereine aus der Nachbarschaft begonnen, konnte der Kreis der teilnehmenden Mannschaften immer mehr ausgeweitet werden. Besonders durch den wertvollen, intensiven Einsatzes des ehemaligen Vereinsmitgliedes Werner Schoch war es möglich, auch ausländische Vereine (ab1969) dafür zu gewinnen, und das Turnier zu einer für einen Landverein imposanten Veranstaltung werden zu lassen. Heute werden jährlich an Pfingsten Jugendliche aus weiten Gebieten der Bundesrepublik und des europäischen Auslandes zu sportlichem Wettstreit, aber auch zu menschlicher Begegnung in Neuhütten zusammengeführt.